Antifouling

Antifouling: schützt Rumpf vor Bewuchs für ein effizientes Schiff

Deutschlands maritime Wirtschaft ist leistungsstark und international wettbewerbsfähig. Die Stärkung des maritimen Wirtschaftsstandort Deutschland ist auch politisches Ziel der Bundesregierung. Seeschifffahrt und Schiffbau gehören hier zu wichtigen Sektoren. Durch Fouling – die Ansiedlung von Organismen am Schiffsrumpf – steigen Gewicht und Strömungswiderstand von Schiffen. Es kommt zu eingeschränktem Betrieb. Soll das Schiff gegen sessile Organismen geschützt und der Reibungskoeffizient verbessert werden, ist Antifouling das Mittel der Wahl. Antifouling sorgt also nicht nur für längere Lebensdauer, sondern senkt auch den Kraftstoffverbrauch.

Dieser Artikel zeigt Vorteile von Antifouling auf, beschreibt unterschiedliche Versionen erhältlicher Antifoulings und erwähnt relevante Gesetzgebung. Zum Schluss erhalten Sie Einblick in eine Auswahl bedeutsamer Firmen und Produkte von Antifouling-Anstrichen.


Antifouling bietet essentielle Vorteile

Deutschlands Abhängigkeit von Wasserstraßen auf Binnen- und Seegewässern wird angesichts des großen Volumen internationalen Handels und dem steigenden Reiseverkehr deutlich. Die möglichen negativen Einflüsse auf den Lebensraum Wasser müssen dabei gut einkalkuliert werden. Hieraus wächst der Anspruch auf effektive, günstige, sanfte Antifoulings als Teil einer ganzheitlichen maritimen Beschichtung.

Diese 6 Vorteile des Antifouling sorgen für den reibungslosen Betrieb des Schiffes, denn Antifouling…

  1. erhöht die Lebensdauer von Schiff, Yacht und Motorboot.
  2. verringert den Treibstoffverbrauch, wodurch die Ökonomie gesteigert und die Umwelt geschont wird.
  3. verhindert den Eintrag von Wasserspezies (invasive species).
  4. sorgt für verringerten Bewuchs unterschiedlicher Arten am Schiffsrumpf.
  5. erhöht die Höchstgeschwindigkeit des Schiffes.

Übrigens: Etwa 60% der Antriebsleistung von Schiffen werden für die Überwindung des Reibungswiderstandes aufgewendet.


Arten der Antifouling-Anstriche: Biozide, bewuchshemmend, Bionik und mehr

Antifouling Wassrelassen Schiff in Werft

Antifouling ist für die Effizienz des Schiffes sehr wichtig, muss aber möglichst umweltfreundlich sein.

Traditionelles Antifouling wirkt durch die Formulierung des Anstriches mit Bioziden – einer chemischen Substanz, welche Bewuchs bildende Organismen, zerstört, fernhält, abtötet beziehungsweise deren Wachstum und Ansiedlung verhindert. Die heutzutage in Antifouling vorkommenden aktiven Biozide sind oft Kupferverbindungen. Allerdings sind im Antifouling-Bereich Forschung und Entwicklung stets um Innovationen bemüht.

Biozidhaltiges Antifouling

In welcher Weise Antifouling enthaltene Biozide ans Wasser abgeben, hängt vom Typ des Antifouling-Anstrichs ab. Für die beste Wirkung müssen Mittel, Substrat, Wasser, Umweltfaktoren usw. aufeinander abgestimmt werden. Man unterscheidet zwischen harten und polierendem Antifouling:

  • Hart: → Erst hohe, dann stets geringer werdende Biozid-Abgabe; kurzzeitige Wirkung
    Hartes Antifouling scheidet Biozide ab, sobald es mit Wasser in Berührung kommt. Dadurch wird sichergestellt, dass weder Wachstum noch Ansiedlung stattfinden kann, ohne dass der Anstrich selbst erodiert – weder im nassen noch im trockenen Zustand. Hartes Antifouling kommt aufgrund der hohen Oberflächenhärte hauptsächlich bei Hochgeschwindigkeitsschiffen zum Einsatz. Es eignet sich nicht für langsame sowie oft vor Anker liegende Schiffe. Zur Erneuerung eines harten Antifouling kann es nicht überstrichen werden, sondern das vorhandene muss zunächst abgeschliffen oder gestrahlt werden.
  • Polierend: → Konstante Biozid-Abgabe über längere Zeit.
    Polierendes Antifouling ist ein sogenannter erodierender Anstrich, welcher eine Art Opferschicht bildet, welche nach und nach vom Wasser abgetragen wird. So wird die Schichtdicke stets geringer und es werden „frische“ Biozidschichten bloßgelegt. Ein Vorteil ist der geringe Arbeitsaufwand. Ein Nachteil ist, dass polierendes Antifouling jede Saison erneut angebracht werden muss. Für langsam fahrende Schiffe ist dieses Antifouling sehr gut geeignet.

Biozidfreie Alternativen und Innovationen im Antifouling-Bereich

Der deutsche und inzwischen auch weltweite anhaltende Trend zu mehr Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit wirkt sich auch auf Antifouling aus. So wird mehr auf alternative Entwicklungen von Systemen ohne Biozidverwendung gesetzt. Dazu gehören bewuchshemmende Teflon- und Silikon-Beschichtungen – sogenannte Fouling-Release-Systeme –, aber auch Bionik-Lösungen sowie Technologien mit UV-Licht.

  • Teflon und Silikon: Bewuchshemmende Antihaft-Systeme (Fouling-Release-Systeme) sind Silikon-Elastomere, Teflon- und Fluorpolymer-basierte Systeme sowie Keramikbeschichtungen und Wachs-basierte Beschichtungen. Diese bewuchshemmenden Foulingschutzsysteme, welche bereits die Haftung der Organismen verhindert. Die Bewegung des Schiffs im Wasser genügt, um Organismen abzuschütteln.
  • Sterilisierung durch UV-Licht: UV-LEDs werden in einen Beschichtungsfilm integriert und emittieren UV-Licht, welches eine sterilisierende Funktion erfüllt. Dies sorgt für einen sicheren und effektiven Schutz der Oberfläche, ohne den Einsatz von Chemikalien und Bioziden. Die Beschichtung dient als Schutzschicht für die integrierten UV-LEDs und ist transparent, beziehungsweise fähig, das UV-Licht weiterzuleiten. So entfällt die Ansammlung von Organismen am Schiffsrumpf und deren negative Folgen für den Schiffsverkehr.
  • Texturierte und hydrophobe Bionik: Hydrophobe Beschichtungen und nano- und mikrotexturierte Überzüge nutzen die Natur als Inspiration für Oberflächentechnologien. Beispiele sind Beschichtungen, welche mit winzigen „Zähnchen“ besetzte Haihaut imitieren. Auch die Oberfläche Blätter der Lotospflanze mit ihrer mikrostrukturierten Berglandschaft dienen als Vorbild für wasserabstoßende, hydrophobe Beschichtungen. Sie alle sind Bionik-Beschichtungen.

Finden Sie mit diesen 6 Fragen das passende Antifouling

Die Wahl des besten Antifouling-Anstrichs entscheiden letztendlich Substrat, Umwelt sowie die Verwendungsintention des Schiffs. Als Hilfestellung, die richtige Antifouling-Beschichtung zu finden, sollten Sie folgende 6 Fragen ans potentielle Antifounling richten:

  1. Welche Kosten kommen für Antifoulings auf mich zu?
    Was kostet der Antifouling-Anstrich? Sorgt die Antifouling-Beschichtung für einen gesenkten Kraftstoffverbrauch? Welche Oberflächenvorbereitung ist nötig? Muss die Anwendung des Antifouling sie wiederholt werden?

    Antifouling und LEDs könnten in Zukunft zusammen gehören

    Bei der Entwicklung umweltverträglicher Antifoulings sind innovative Lösungen drin

  2. Was lange hält die Beschichtung?
    Nicht alle Antifouling-Produkte sind gleich lange haltbar; besonders wenn es um wechselhafte Bedingungen geht. Manche halten 3 bis 5 Jahre, andere leben so lang, wie das Schiff.
  3. Wie abrasionsbeständig ist das Antifouling?
    Abrasionsbeständigkeit ist ein wichtiger Faktor für Sportwasserfahrzeuge, Handelsschiffe mit Eisgefährdung und Beulen- und Kratzergefahr sowie Schiffe, welche poliert werden. Abrasionsbeständige Antifoulings sind hartes Antifouling, Teflon und Keramikbeschichtungen.
  4. Ist das Antifouling für angestrebte Liegezeiten in Häfen und bestimmte Wasserverhältnisse geeignet?
    Hartes Antifouling behält die Wirkung während der Liegezeit nicht bei, während erodierendes dies leistet. Bewuchshemmende Fouling-Release-Beschichtungen erfordern eine Geschwindigkeit von ca. 25 bis 30 Knoten für ein optimales Ergebnis, daher sind auch hier Liegezeiten funktionshemmend. In warmen Küstengebieten besteht ein hohes Aufkommen von Wasserorganismen und somit ein hohes Biofouling-Risiko. Dennoch bannen viele Anlegeplätze und Häfen kupferhaltige Biozide, um der lokal erhöhten Verseuchung entgegenzutreten.
  5. Muss man Schiffsrümpfe mit Antifouling reinigen?
    Kann Antifouling gereinigt werden, ohne beschädigt zu werden? Ist die Unterwasserreinigung umweltschädlich? Verweildauer im Trockendock sollte man einkalkulieren, ebenso individuelle Verbote für Unterwasserreinigung pro Hafen.
  6. Sind Gesetzgebungen absehbar, welche den Einsatz von Antifoulings einschränken?
    Nach dem EU-weiten Verbot von TBT (Tributylzinn) 2008 gibt es durchaus Misstrauen gegenüber Biozide im Allgemeinen. Obwohl Antifouling mit Kupferverbindungen das am weitesten verbreitete am Markt ist, ist die Antifouling-Zukunft auch biozidfrei möglich. Bei Hertellern und Zulieferern ist ein Trend fort von Bioziden zu verzeichnen.

Antifouling Hersteller und Produkte in Deutschland

In Deutschland sind einige Firmen ansässig, welche Antifouling herstellen und vertreiben. Zu den wichtigsten gehören AkzoNobel mit der Marke International, außerdem Hempel, Jotun and Coppercoat. Preise unterscheiden sich mitunter recht drastisch, aber das Produktangebot ist sehr vielseitig, wodurch Sie bestimmt das passende Produkt finden. Einige Antifoulings sind Werften und Fachleuten vorbehalten. Es ist ohnehin zu empfehlen, Fachleuten die Anbringung von Antifouling zu überlassen. Die Tabelle unten zeigt einige erhältlichen Produkte.

Benötigen Sie Hilfestellung für Ihr Antifouling-Projekt, hinterlassen Sie uns mittels Klick auf untenstehenden Button eine unverbindliche Anfrage. Wir vermitteln Ihre Anfrage mit tonangebenden Partnern aus der Branche.

ANTIFOULINGInhalt + Eigenschaften Geeignete GewässerGeeignetes SubstratPREIS pro Liter IN EURO
International Micron 350Polierendes, erodierendes Antifouling

  • Biozid: Dikupferoxid
  • Basis: Copolymer
Süß-, Salzwasser, BrackwasserGusseisen, GFK, Blei, Stahl, Holzca. 60 €/ Liter
Hempel Silic One 77450Fouling-Release-System

  • Biozid: keine
  • Basis: Silikon
Warme und kalte GewässerStahl, GFKca. 80 €/ Liter
CoppercoatHartes Antifouling

  • Biozid: hochkonzentriertes
  • Kupfer Basis: Epoxidharz
Süß-, Salzwasser, BrackwasserFür alle Substrate geeignetca. 110 €/ Liter
Jotun Aqualine Optimaselbstpolierendes Antifouling für Propeller

  • Biozid: Zinkoxid (kupferfrei)
  • Basis: Lösemittel (Aerosol)
Meerwasser, Süßwasser, BrackwasserLeichtmetalle, Aluminiumca. 100 €/ Liter

Internationale Gewässer, internationale Richtlinien

Anstriche, die dem Antifouling am Rumpf von Schiffen dienen sollen, sind seit Einführung von Tribtylin als „Wundermittel“ der 60er Jahre in Verruf geraten. TBT stellte sich als hochgiftig für den Lebensraums Meer heraus. Sogar so sehr, dass die französische Austernfischerei zusammenbrach. Inzwischen ist TBT aus Antifoulings verschwunden; es gilt seit 2008 ein EU-weites Verbot der Substanz. Die Auswirkungen von damals sind dennoch immer noch in der Meeresbiologie spürbar. Kontrollen für Antifoulings sind heutzutage sehr streng, während Zulieferfirmen umweltverträglichere Wirkungsweisen für Antifoulings erforschen. Investitionen gehen in die Konzeption umweltfreundliche, biozidfreie Antifouling-Anstriche.

Lesen Sie online beim Umwelt Bundesamt nach, welche aktuellen Richtlinien für Antifouling-Mittel und deren Risiken für Wasserlebewesen gelten.


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