Autoserienlacke

Autoserienlacke sind viel mehr als nur Farbe auf dem Auto

Die Autoproduktion in Europa und in Deutschland erfährt noch immer jährlich ein Wachstum von einstelligen Prozenten. Deutschland bleibt mit Abstand der größte Markt in Europa, und somit das Autoland schlechthin. Nicht verwunderlich ist es daher, dass auch der Markt der Autoserienlacke stetig wächst. Viele Autobauer stammen aus Deutschland – BMW, Daimler oder Porsche – und erwarten Topqualität von Produzenten der Autoserienlacke. Autoserienlacke werden ab Werk in der Lackierstraße appliziert und bieten neben Farbgebung, Korrosionsschutz und Abriebbeständigkeit durch mechanische Einwirkung und Witterung.

Dieser Artikel nimmt Sie mit im Prozess von der blanken Karosserie zum lackierten Fahrzeug. Wir zeigen zudem Auto-Farbtontrends auf, machen einen Abstecher in den Autoinnenraum und informieren über die Marktführer der Autolackproduzenten am deutschen Markt.


Autoserienlacke – dünner als ein menschliches Haar und doch unentbehrlich

Die Karosserie eines Neufahrzeugs legt einen weiten Weg in der Lackierstraße des Produzenten zurück. Sie wird mit insgesamt vier unterschiedlichen Schichten lackiert; vorab erfolgt eine Vorbehandlung des Substrats. Die Lackierung mit den Autoserienlacken dauert mindestens 14 Stunden. Jede Schicht der Autoserienlacke sorgt für eine leistungsfähige Folgeschicht. Nach der kompletten Autoserienlackierung ist ein Kleinwagen rund 4 kg schwerer. Erfahren Sie hier alles zum Aufbau von Autoserienlacken, in den 5 Schritten der Autoserienlackierung:

1. Phosphatieren – nach Fett-weg-Therapie wie neugeboren

Zuerst wird die Karosserie gründlich entfettet und gereinigt. Der erste Schritt der Vorbehandlung ist dann die Phosphatierung der Karosserie. Phosphatieren beschreibt die Bildung einer sogenannten Konversionsschicht auf der Karosserie. Sie entsteht durch die chemische Reaktion vom Metall (der Karosserie) in wässriger Phosphatlösung. Nach 2 Minuten bildet sich bei 50 bis 60 °C eine etwa 1,5 μm dicke Schicht aus Zinkphosphat/Eisenhydrogenphosphat. Die Phosphatschicht bietet Unterostungsschutz und dient als die ideale Haftvermittlung für folgende Schichten der Autoserienlackierung. Schichtdicke: ca. 1,5 μm.

2. KTL kathodische Tauchlackierung – auf Tauchgang für Korrosionsschutz bis ins letzte Eck

Danach folgt die kathodische Tauchlackierung (KTL): Diese elektrochemische Lackierung sorgt dafür, dass der Lack bis in alle Hohlräume vordringt und so einen geschlossenen Lackfilm auf der Karosserie erzeugt. Die KTL bildet den ersten Schritt eines soliden Korrosionsschutzes.
Die negativ geladene Karosserie (Kathode) wird in ein leitfähiges, wässriges Bad aus Tauchlack. Das Tauchlackbad besteht aus positiv geladenen Lackteilchen, die sich nun an die Karosserie heften. Gewicht: ca. 2 kg.

3. Grundlack/ Füller – gleicht aus und macht sich für die Farbe bereit

Der Grundlack ist entweder Grau-Beige für folgende helle Lackierungen oder Dunkelgrau für anschließende dunkle Autoserienlacke. Früher waren Grundlacke für Autoserienlacke typischerweise Weiß. Die Funktion des Grundlacks besteht neben der Grundierung und Haftvermittlung darin, Unebenheiten der KTL auszugleichen. Zudem verfügt der Grundlack über technische Eigenschaften, die ihn und somit die Karosserie vor Steinschlag und Verschleiß sowie resultierender Korrosion wappnen. Grundlack ist entweder lösemittelhaltig oder wasserbasiert, und kommt meist als Polyurethan-modifizierte Polyester oder Epoxidharze vor. Gewicht: ca. 0,8 kg.

4. Basislack – jetzt kommt Farbe ins Spiel

Der Basislack bringt endlich Farbe ins Spiel. Sowohl der Farbton als auch das Finish werden hier und jetzt festgelegt. Das gilt auch für eventuelle Effekte im Autolack. Neben dem Pigment werden dem Basislack in diesem Schritt Effektpigmente (Interferenzpigment oder Aluminiumpigment) beigemengt. Mögliche Effekte sind Metallic, Matt, Perlglanzeffekt. Übrigens wird mit Lackierrobotern lackiert, Fehlstellen jedoch von Lackierern nachgearbeitet. Heuer sind Basislacke wasserbasiert. Gewicht: ca. 0,5 kg.

5. Klarlack – das Glanzstück

Als letzten Schritt der Autolackierung verleiht der Klarlack dem Auto adäquaten Glanz, der es zum Strahlen bringt. Klarlack schützt die Basislackschicht vor Kratzern, UV-Strahlung, chemischer Abnutzung und Verblassen durch mechanische sowie Witterungseinflüsse aus Waschstraßen und Co. Ferner versiegelt Klarlack und steigert und unterstreicht die Brillanz und Farbtiefe. Es gibt 1-komponentigen und 2-komponentigen Klarlack. Gängig in der Automotive Branche sind Acrylate und Polyurethane. Gewicht: ca. 0,9 kg.


Trends von Autoserienlacken in Deutschland und Europa

Farbtrends Autos

Farbtrends wirken sich auch auf Autoserienlacke aus. Kaum zu glauben: Früher waren Autos bunter

Noch vor ca. dreißig Jahren sahen Serienfahrzeuge auf den Straßen Deutschlands alles andere als einheitlich aus. Man mag es nicht glauben, aber 1978 gab es besonders viele grüne, rote und gelbe Autos. Schwarz war die am wenigsten gewählte Autofarbe.
Heute sind Autos in einen der 5 Autohauptfarbtöne getaucht (Stand: 2016): Silber/ Grau dicht gefolgt von Schwarz, vor Weiß und Blau. Dabei ist in Autolackierungen heutzutage viel mehr möglich als vor 30 Jahren. Man sollte meinen, Farbtrends spielten eine größere visuelle Rolle, aber der durchschnittliche Deutsche geht auf Nummer sicher – der Rest der Welt übrigens ungefähr auch. Ursachen zu unbunten Farben gibt es einige, einer ist der Einfluss des Wiederverkaufswerts auf die Farbwahl beim Autokauf.

Ein weiterer Trend betrifft nicht, welche Farbe im Lack steckt, sondern darüber hinaus ob das Lacksystem umweltverträglich ist. Das fordern Gesetzgebung und Autokäufer. Ökologische Aspekte zwingen Autolackhersteller aktuell, energieeffiziente Lacke zu entwickeln, die wenig VOC enthalten und einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Lacke, die in ein grünes, ökologisches  Schema passen, härten etwa bei deutlich niedrigeren Temperaturen aus als konventionelle Autoserienlacke. Die weltweiten Top-Fünf der Lieferanten für Autoserienlacke sind Axalta Coating Systems, PPG, Valspar, BASF und Nippon Paint. Sie müssen in Zukunft in eine grünere Zukunft der Autoserienlacke investieren.


Abstecher zu Kunststofflackierungen in der Innenausstattung vom Auto

Autoserienlacke im Innenraum

Autoserienlacke im Innenraum sorgen für stimmmige Optik und Haptik

Denkt man an Autoserienlacke, denkt man an die Lackierung der Karosserie, wie wir sie eben behandelt haben. Richtig, außen. Aber auch im Inneren vom Auto kommen „Autoserienlacke“ zum Einsatz. Darüber hinaus müssen noch viel mehr Autoteile beschichtet oder lackiert werden: Felgen, Schweller, Leisten, Türgriffe, Lüftungsbedienung, Anzeigetafeln, Tacho, aber auch Motorraum und vieles mehr werden am häufigsten mit Kunststofflacken oder widerstandsfähigen Pulverlacken beschichtet.

Während es bei der Autolackierung außen auf Optik und Leistung ankommt, wird im Innenraum ein weiterer Aspekt sehr wichtig: Haptik. Wichtig ist bei einer Innenausstattung, wie sie sich anfühlt. Ferner sind Ergonomie, Schalldichte, Optik, Wertigkeit und Bequemlichkeit natürlich wichtig für Fahrzeuginsassen. Kunststoffsubstrate befinden sich in Autos, Stoßstange mal außen vor gelassen, meist im Innenraum. Für die Lackierung oft berührter Teile kommt häufig 1K oder 2K Polyurethan-basierte Lacke zur Anwendung. Neben der schmeichelnden Haptik verfügen solche Lacke über Farbtonvielfalt, Temperaturschwankungs-, Chemikalien- und Abrasionsbeständigkeit.


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